Je mehr man sich mit Fotografie beschäftigt umso mehr beginnt man die Welt mit völlig neuen Augen zu sehen. Überall gibt es Motive und Bilder, die man festhalten möchte. Im Studio hat man es als Fotograf sehr leicht. Objekte können so positioniert werden, dass sie von ihrer schönsten Seite aufgenommen werden können. Auch Models befolgen Anweisungen und nehmen die Pose ein, die man festhalten möchte. Die Arbeit mit Licht und Schatten ist problemlos möglich und die Lichtquellen können fast beliebig positioniert werden. Verlässt man das Studio wird es schwieriger. Hier hört niemand auf das Kommando des Fotografen. Das macht die Naturfotografie anspruchsvoll und abwechslungsreich.

Natur

Naturfotografie beschreibt die Fotografie im Freien. Gemeint sind hier Aufnahmen von Pflanzen und Tiere in ihrer natürlichen Umgebung. Anders als bei Architektur, oder Menschen, stellt das den Fotografen vor eine große Herausforderung. Das perfekte Bild entsteht, wenn man technisch alles richtigmacht und zum richtigen Moment abdrückt. Genau dieser zweite Teil macht Naturfotografie anspruchsvoller als die meisten anderen Fächer. Das gestochen scharfe Bild mit der perfekten Tiefenschärfe, auf dem ein einzigartiger Moment festgehalten wird, kann auf zwei Arten entstehen. Viele dieser Bilder sind das Produkt des Zufalls. Kurz bevor man den Auslöser betätigt, öffnet der Schmetterling seine Flügel und hebt ab. Das war unvorhersehbar, macht das Bild aber zu etwas ganz Besonderem. Der entscheidende Moment eines Naturschauspiels wurde für die Nachwelt festgehalten. Will man nichts dem Zufall überlassen, gibt es nur noch den harten Weg.

Bildkomposition in der Naturfotografie

Die Natur lässt sich nur in sehr begrenztem Maße beeinflussen. Will man also ein bestimmtes Bild machen, dann muss man darauf warten, dass die Beteiligten sich freiwillig in die Position begeben, in der man sie haben will. Das bedeutet für den Naturfotografen oft stundenlanges Warten. Warten, das man vor Ort verbringen muss und damit einerseits der Witterung ausgesetzt ist und andererseits manches Tier davor abschreckt näher zu kommen. Bilder müssen aus nächster Nähe, aus großer Distanz, bei Tags und auch in der Nacht aufgenommen werden. Je nach dem gewählten Motiv muss man oft lange in seinem Versteck verharren, bevor man die Gelegenheit bekommt, abzudrücken. Dann muss alles bereit sein und die Kamera perfekt funktionieren.

Fotosafari

Will man die langen Wartezeiten auf scheue Tiere sparen, gibt es die Möglichkeit im Zoo, oder im lokalen botanischen Garten Motive zu suchen. Die Zootiere sind an Besucher gewöhnt und bewegen sich in ihren Gehegen auch dann, wenn man mit der Kamera direkt davorsteht. Trotzdem ist auch hier Geduld gefragt. Moderne Zoos präsentieren die Tiere nicht mehr in einem kahlen Raum ohne Versteckmöglichkeiten. Stattdessen bewegen sie sich in einer sehr natürlichen Umgebung, in der es zahlreiche Bereiche gibt, die man als Besucher nicht einsehen kann. Auch hier muss man viel Zeit einplanen, wenn man ein außergewöhnliches Foto aufnehmen möchte. Eine kostspieligere Variante ist eine Big Five Safari. Auch hier muss man keine Zeit in die Suche des Motivs investieren. Die Guides sorgen dafür, dass man zumindest am richtigen Ort ist.

Giraffe bei einer Fotosafari

Big Five

Die fünf großen Tiere Afrikas sind legendäre Fotomotive. In der Naturfotografie ist eine Fotosafari ein guter Kompromiss. Hier wird man von erfahrenen Führern zu den Tieren gebracht. Da die Big Five in erster Linie für die Gefahr, die von Ihnen ausgeht, bekannt sind, kann es lebensgefährlich sein den Fünf in ihrer natürlichen Umgebung auf eigene Faust aufzulauern. Auch wenn man in unseren Breiten nicht auf Büffel, Leoparden, Elefanten, Nashörner und Löwen treffen kann, kann aber auch eine Fotosafari in die einheimische Natur interessant sein. Speziell in der Makrofotografie kann man erstaunliche Motive aufspüren und umwerfende Bilder aufnehmen. Die Naturfotografie schließt aber auch Landschaftsaufnahmen und Bilder von Pflanzen mit ein. Auch hier hat Mitteleuropa atemberaubende Motive zu bieten.

Licht und Wasser

Besonders spannend und auch sehr anspruchsvoll ist der Einsatz von Licht in der Naturfotografie. Das Problem dabei ist, dass man das Licht nicht verändern kann. Trotzdem kann man mit Langzeitbelichtung und Belichtungsserien selbst ein wenig über das Ergebnis entscheiden. Einheimische Wälder bieten viel Raum für Naturfotografie und erlauben Aufnahmen vom winzigen Detail bis zum scheinbar grenzenlosen Wald, der die Landschaft bis zum Horizont bedeckt. Speziell im Zusammenspiel mit Wasser entstehen im Wald ganz besondere Bilder. Spiegelglatte Seen, die den Hintergrund und den Himmel zu einer stimmungsvollen Einheit verschmelzen, können einem Bild einen Überraschungseffekt verleihen. Aber auch bewegtes Wasser ist ein dankbares Motiv. Das Spiel eines Wasserfalls, der in der Sonne strahlt ist ausdrucksstark und mächtig. Die Bewegung des Wassers kann man in Bächen und Flüssen mit langen Belichtungszeiten festhalten und so einen dynamischen Effekt erzielen. Aber auch Pfützen können ausreichen um die Eigenschaften des Wassers als Bereicherung für das Bild zu verwenden.

Naturfotografie

Das Fach der Naturfotografie ist ein breites Betätigungsfeld für Fotografen. Man verbringt viel Zeit in der Natur und stolpert ständig über interessante Motive. Die Wunder der Natur in Bilder zu bannen ist technisch herausfordernd und nicht zuletzt auch eine Frage der Ausrüstung. Wer aber schon einmal im Morgengrauen die Nebelschwaden und die Lichtstimmung am Waldrand aufgenommen hat, der weiß wie befriedigend es sein kann, das fertige Bild zu sehen. Auf dem Bauch liegend zwei Schmetterlinge, die sich in absoluter Symmetrie, wie Spiegelbilder gegenübersitzen, abzulichten ist nicht zuletzt ein Glücksfall. Zur Stelle zu sein, wenn die Natur ein beeindruckendes Motiv präsentiert ist die Glück. Dann die Kamera mit dem richtigen Objektiv zur Hand zu haben und den Moment in seiner ganzen Schönheit festzuhalten ist die Kunst bei der Naturfotografie.

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